Mein Lieblingsmaterial: Fast unbegrenzte Möglichkeiten – Mit dem Chinapapier Wenzhou skizzieren und collagieren

von Angelika Biber

Mein Lieblingsmaterial: Fast unbegrenzte Möglichkeiten – Mit dem Chinapapier Wenzhou skizzieren und collagieren

Chinapapier Wenzhou

Schon lange bin ich ein Fan von flexiblen Arbeitsweisen. Arbeitsweisen, die es mir ermöglichen, im Prozess ganz andere Wege einzuschlagen, als vorher gedacht. Ich liebe dabei Materialien, die universell einsetzbar sind und die ich einfach, alleine und ohne Hilfe handhaben kann (Nicht nur deswegen bin ich keine Bildhauerin geworden). Seit jeher ist Papier ein vielfältig einsetzbares künstlerisches Medium. Das Chinapapier Wenzhou ist ein solches Material. Es handelt sich hier um ein säurefreies Papier aus Maulbeerbaumrinde. Es ist sehr leicht (30g m2) und lässt sich gut auf verschiedene Untergründe kleben, z.B. mit Acrylbinder und ist dabei sehr anschmiegsam. Bei Nässe fällt es schnell auseinander, deshalb sorge ich dafür, dass zwischen den feuchten Stellen immer trockene Stege übrig bleiben, damit das Papier nicht komplett auseinander fällt. Aber obwohl ich das Papier unter anderem mit meinen schweren Eisengrundierungen behandele und diese zum Oxidieren ansprühe, hat das Wenzhou trotz dieser Leichtigkeit immer noch eine relative Festigkeit. Nach dem Trocknen ist es wieder ganz stabil. Da das Papier etwas transparent und durchscheinend ist, sieht man beim collagieren die unteren Schichten durch, ein toller Effekt, um Tiefe in das Bild zu bringen.

Sehr geeignet ist es natürlich auch für Kalligrafien oder Tuschezeichnungen, aber auch angelegte Skizzen, Strukturen oder figürliche Zeichnungen auf dem Wenzhou können sehr schön in die Malerei integriert werden. Ich habe immer einiges an vorbereiteten Papieren fertig, damit ich sofort loslegen kann.

Jeder Mal- und Zeichengrund übt einen anderen Widerstand aus und beeinflusst damit auch die Art und Weise, in der gearbeitet wird. Deswegen ist es sehr spannend für mich, auf diesem nachgiebigen Papier zu arbeiten. Dieser Eindruck wird verstärkt, in dem ich auf der weicheren, rauen Seite arbeite.

 

Die Gefuehlskabine

Die "Gefühlskabine"

 

Ich verwende es außerdem sehr gerne, um größere Kunstwerke damit zu gestalten, weil es aus meiner Sicht ein super Preis-Leistungsverhältnis hat. Mein Objekt, die „Gefühlskabine“ für die Ausstellung „Rot“ habe ich damit gebaut. Hier wollte ich die Wirkung der Farbe „Rot“ für die Betrachter erlebbar machen. Sie nicht von außen darauf schauen lassen, sondern die Distanz der Betrachtung verringern, um von „innen“ wahrnehmen zu können. Bei der Gefühlskabine brachte die Beleuchtung von hinten die verwendete rote Acrylfarbe extrem zum Strahlen und erhöhte durch die Transparenz des Papiers die Wirkung, die ich erzielen wollte. Das Papier klemmte ich auf ein Metallgestänge, das ich immer wieder anders zusammenbauen kann und auch das gestaltete rote Papier ist anderweitig verwendbar. So gewährt mir das Material wieder einmal die Möglichkeit, das Objekt zu variieren und weiterzuentwickeln. Und mal sehen, auf welche Ideen mich das Wenzhou das nächste Mal bringt.

Viel Freude bei allen Experimenten,

lass Farbe fließen,

Angelika

 

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