Kennst Du schon die 4 „A’s“ beim Einarbeiten von Linien?

von Angelika Biber

Kennst Du schon die 4 „A’s“ beim Einarbeiten von Linien?

Als Malerin liebe ich Farbklänge und Strukturen, als Zeichnerin und Grafikerin steht die Linie im Fokus meiner Arbeiten. Besonders interessant wird es für mich, wenn diese Elemente zusammen eine neue, spannende Mixtur ergeben. Dadurch eröffnen sich unglaublich viele Ausdrucksmöglichkeiten. Linien können deshalb auch eine Bereicherung deiner Acrylmalerei sein.

Einige meiner Teilnehmer trauen sich jedoch an Linien nicht heran, weil sie denken, sie könnten nicht zeichnen. Du musst aber nicht perfekt zeichnen können um deiner Komposition Linienelemente hinzuzufügen. Ich nenne zeichnen deswegen gerne „Spiel mit der Linie“, um auszudrücken, dass es hier eher um lockere Vorgehensweisen geht und darum, den eigenen Ausdruck zu finden, als um Perfektion.

Ein lockerer, spielerischer Umgang mit Zeichenwerkzeugen verschafft deinem Bild einen weiteren Kontrast zu Fläche und Struktur und bringt sowohl Spannung als auch Leichtigkeit in deine Arbeit. Linien können in deinem Bild mehr erreichen als nur der finale, ultimative Abschluss-Akzent in deinem Bild zu sein. Dabei ist es völlig egal, ob du abstrakt mit Linien arbeitest, die Linien als Schriftelement integrierst oder gegenständliche Zeichnungen (Figuren, Florales, Landschaft) einarbeitest. Wichtig ist, dass Du einmal mit den Linientypen experimentierst, mal Geschwindigkeit und Dynamik in deine Zeichnung bringst, mal mehr mal weniger auf den Stift drückst, einen eigenen „Duktus“ erzielst, verschiedene Malwerkzeuge auf unterschiedlichen Untergründen zum Einsatz bringst. Diese Experimente werden dein Linienspiel verändern und ausdrucksstärker machen.

Aber wie setze ich dann die Linien ein?

1. Zur Anbindung und Verbindung von schon vorhandenen Formen und Elementen im Bild, um Ordnung in die Komposition zu bringen. Die rostigen Elemente würden ohne die lineare Verbindung auf dem Bild schweben.

 

2. Als Ausgleich, also um das Bild ausgewogener zu machen bzw. große ruhige Flächen zu unterteilen, also damit die Komposition ins Gleichgewicht zu bringen. Ohne den blauen Linienschwung auf der linken Seite würde die Komposition zu sehr nach rechts kippen.

 

3. Um einen neuen Ausdruck oder eine Neuordnung zu erreichen, deswegen wird die Linie hier als Zwischenschritt eingesetzt. Da die Linien schon früh im Verlauf des Malprozesses auf das Bild gebracht werden, können Teile davon bei den nächsten Schichten entweder deckend oder lasierend wieder übermalt werden. Da nicht alles sichtbar bleiben muss, können wir lockerer zeichnen und die Linie muss nicht perfekt sein. Durch die figürliche Zeichnung bekommt das Bild hier eine völlig andere Aussage.

 

4. Als Akzent und Stilmittel um einen weiteren Kontrast hinzuzufügen, wenn im Bild noch etwas Spannung fehlt. Der blau-grüne Farbklang erhält hier mit den magentafarbenen Linien die nötige Spannung.

 

Bei allen oben genannten Möglichkeiten handelt es sich um tatsächlich sichtbare Linien. Die gedachten Linien (z.B. Formen, die auf einer gedachten Linie angeordnet sind) können ebenfalls eine gute Option sein.

Wenn du beginnst locker mit zeichnerischen Elementen zu spielen, werden sich viele neue Möglichkeiten der Gestaltung eröffnen, sowohl in formaler als in inhaltlicher Hinsicht. Und vielleicht räumst Du der Linie mit der Zeit mehr Raum im Bild ein und sie wird zum Hauptstilelement DEINES Bildes und erzählt damit deine ganz persönliche Geschichte.

Viel Spaß bei allen Experimenten,

lass Farbe fließen,

Angelika

 

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